Terminhinweis

UNKONTROLLIERTE POLIZEIGEWALT

Donnerstag, 05.06.2008 20.00 Uhr Studio, zakk Düsseldorf

Information & Diskussion

Mit Rechtsanwältin Gisela Dapprich und Tobias Singelnstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter der FU in Berlin.

In der Veranstaltung geht es um das Phänomen polizeilicher Übergriffe im Rahmen des jeweiligen Einsatzes und deren Verarbeitung durch die Staatsanwaltschaft und die Justiz. In letzter Zeit hat man immer wieder erleben müssen, dass es bei Polizeieinsätzen und –massnahmen zu Übergriffen durch Polizeibeamte kommt oder dies zumindest wahrscheinlich ist. Oft lässt sich dann die Wahrheit im Nachhinein nicht mehr aufklären und es kommt nicht selten vor, dass diejenigen, die Opfer solcher vermutlicher Übergriffe von Polizeiorganen sind, sich plötzlich selbst auf der Anklagebank finden. Eine wirkliche Aufklärung ist in den meisten Fällen fast unmöglich. Als Beispiele sind hier nur zu nennen das Verfahren wegen des im Polizeigewahrsam zu Tode gekommenen sierra-leonischen Staatsangehörigen Oury Jalloh, aber auch die Ereignisse in der Polizeiwache in Hagen im Zusammenhang mit der Ingewahrsamnahme des türkischen Staatsangehörigen Adem Özdamar oder auch die Ereignisse mit dem so genannten Wuppertaler Polizeikessel oder dem G8-Gipfel in Heiligendamm im vergangenen Jahr.

Mit den ReferentInnen:
Rechtsanwältin Gisela Dapprich, Düsseldorf. Sie hat u eine Reihe von Verfahren von Blockierern des G8-Gipfels in Heiligendamm durchgeführt.
Tobias Singelnstein, wissenschaftlicher Mitarbeiter der FU in Berlin. Er forscht seit Jahren unter anderem zur Thematik der Aufarbeitung möglicher polizeilicher Übergriffe durch die Justiz.

Eintritt: frei
Veranstalter: VDJ - Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen e.V., RAV - Republikanischer Anwältinnen- und Anwaltsverein, Humanistische Union, Rechtshilfegruppe Düsseldorf & zakk

Ausstellung - Vom Polizeigriff zum Übergriff in Düsseldorf

Noch bis zum 1. Juni ist die Ausstellung über Polizeigewalt in den Räumen des Linken Zentrums in Düsseldorf zu sehen.
Geöffnet während der Veranstaltungen im Linken Zentrum. >>

Morgen: Veranstaltung auf dem BUKO 31 in Dortmund

Polizeigewalt, Migrationskontrolle und Strategien der Gegenwehr
Eine der Fragen, der wir in diesem workshop nachgehen wollen, lautet, ist „Rassismus“ ein hinreichender Erklärungsansatz für polizeiliche Gewalt gegen Immigranten/Immigrantinnen sowie gegen Flüchtlinge, die in den letzten Jahren zahlreiche Todesopfer gefordert hat. Es erscheint beinahe tautologisch, wenn es zu den Vorfällen heißt, dass (einzelne) rassistische Polizisten/Polizistinnen Migranten und Migrantinnen im Polizeigewahrsam oder bei der Festnahme misshandelten, schwer verletzten oder töteten. Diese seitens der politisch und polizeilich Verantwortlichen als Einzelfälle heruntergespielten „Übergriffe“ wurzeln hingegen in einer Gesellschaftsstruktur, in der Zuwanderer gesetzlich und gesellschaftlich herabgesetzt und ausgegrenzt werden, in der es im Rahmen der Migrationskontrolle alltäglich zu legaler Gewaltanwendung gegen Migrantinnen/Migranten und deren Diskriminierung kommt. Mit Anti-Rassismustrainings in der Polizeiausbildung ist diesen Gewaltmechanismen allein nicht beizukommen.

SA - 10.05. , 12:00-13:30 | R 4.307
Dirk Vogelskamp (Komitee für Grundrechte und Demokratie, Köln) & Mitglieder der Gruppe BürgerInnen beobachten die Polizei (Wuppertal)

weitere Informationen

Im Zweifel für den Polizisten

Im Zweifel für den Polizisten

Von Christina Brüning | © DIE ZEIT, 01.05.2008 Nr. 19

Warum werden gewalttätige Beamte so selten verurteilt? Ein Beispiel aus Berlin

Während des gesamten Prozesses hat der Richter stillgehalten. Er hat die abwegigsten Zeugenaussagen erduldet. Und er hat die Angeklagten, wie es seine Pflicht war, am Ende freigesprochen. Nun aber, nach der Urteilsverkündung, hat Reinar Mülders, Richter der ersten großen Strafkammer des Landgerichts Berlin-Moabit, dem Verfahren gegen drei Polizeibeamte des Berliner Spezialeinsatzkommandos noch eine persönliche Anmerkung hinzuzufügen. Sie gipfelt in einem Wort: »unfassbar«.

Unfassbar findet Richter Mülders, wie die Berliner Staatsanwaltschaft und ihr unterstellte Polizeibeamte von der Dienststelle für Interne Ermittlungen die Aufklärung schwerer Vorwürfe gegen drei Polizisten betrieben – oder besser gesagt: nicht betrieben – haben. Lückenhafte Untersuchungen, offensichtliche Widersprüche in den Vernehmungsprotokollen, viel zu späte Ermittlungen – alles in allem, sagt der Richter, hätten die Behörden »die Wahrheitsfindung massiv erschwert«.

Drei Jahre ist es her, dass das SEK die Wohnung des jungen Deutschtürken Erdal R. und seiner Familie gestürmt hatte. R. wurde eines bewaffneten Überfalls verdächtigt – irrtümlich, wie sich bald herausstellte. Sein Zustand nach erfolgter Festnahme legt hingegen den Gedanken nahe, er selbst sei Opfer eines bewaffneten Überfalls geworden. Fotos zeigen ihn mit blutigem, zugeschwollenem Gesicht und einem ausgeschlagenen Schneidezahn.

Ob die drei Angeklagten den Zeugen R. wirklich im Dienst zusammengeschlagen haben, das lässt sich nun nicht mehr klären. Sicher hingegen ist, dass sie es ohne nennenswertes Risiko für sich selbst hätten tun können. Die Arbeit der Staatsanwaltschaft lässt sich eher als Vertuschungsmanöver denn als ernsthafte Ermittlungstätigkeit beschreiben. Hätte nicht die Mutter des Zeugen geistesgegenwärtig Fotos ihres Sohnes nach erfolgter »Festnahme« gemacht, dann wären die Beamten kaum je vor Gericht gestellt worden. Auch so war noch ein langjähriges Klageerzwingungsverfahren erforderlich.

All das ist schlimm genug – zum Justizskandal wird der Fall durch seine Alltäglichkeit. Vor vier Jahren legte die Menschenrechtsorganisation amnesty international einen umfassenden Bericht über Misshandlungen durch deutsche Polizisten vor und dokumentierte das immer gleiche Schicksal einer Strafanzeige gegen die Täter: Gegenanzeigen, interne Untersuchungen, die diese Bezeichnung nicht verdienen, Staatsanwälte, die kaum ermitteln und schon gar nicht anklagen.

»Meistens ist es der große öffentliche Druck, der ein Verfahren schließlich beschleunigt«, sagt Wolfgang Grenz, der Experte von amnesty. Im Fall R. sorgte die türkische Zeitung Hürriyet für Öffentlichkeit.

Kommt es doch einmal zu einem Prozess, dann mutet das Gerichtsverfahren nicht selten wie absurdes Theater an. Vor dem Berliner Gericht durften die SEK-Beamten wegen ihres gefährlichen Berufes in Verkleidung erscheinen. Während der Verhandlung blieben sie stumm und reglos und ließen ihre Anwälte für sie sprechen. Die als Zeugen geladenen Polizisten wiederholten wie ein Opernchor immer wieder den Refrain der ganzen Verhandlung: »Das habe ich vergessen.« – »Daran kann ich mich nicht mehr erinnern.« – »Das ist schon so lange her.« Und über allem thronten hilflos Richter Mülders und seine Schöffen.

Man muss sich nicht lange umschauen, um ähnliche Fälle zu finden. In Hagen ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft, nachdem ein junger Deutschtürke auf einer Polizeiwache starb – möglicherweise am »lagebedingten Erstickungstod«. Er war bäuchlings liegend an Händen und Füßen zusammengebunden worden, eine Fesselungstechnik, die in den USA seit 20 Jahren verboten ist. Doch erst nachdem politischer Druck aus Deutschland und der Türkei ausgeübt wurde, ging die Staatsanwaltschaft den Vorwürfen nach. Und vor dem Landgericht Dessau schleppt sich seit Monaten der Prozess gegen die Polizisten hin, in deren Gewahrsam der abgelehnte Asylbewerber Oury Jalloh aus Sierra Leone unter mysteriösen Umständen verbrannt war. Auch dort war das Gericht mit den Aussagen der Polizei nicht zufrieden. »Sie sind Beamter des Landes Sachsen-Anhalt«, ermahnte der Richter einen Polizisten im Zeugenstand. »Wir leben hier nicht in einer Bananenrepublik.«

Oder doch? Vier Jahre ist der kritische Bericht von amnesty international inzwischen alt. »Gebessert hat sich nichts«, sagt Wolfgang Grenz. »Bei der Polizei stößt jede Kritik auf pauschale Zurückweisung.« Auch Richter Mülders’ Vorwürfe werden an den Berliner Verhältnissen wohl wenig ändern. »Kein Kommentar«, heißt es beim Polizeipräsidenten und beim Innensenator.

nächstes Treffen

Das nächste “Bürger_innen beobachten die Polizei”-Treffen findet am Donnerstag, 27. März um 19 Uhr statt.

Und zwar im Cafe Hayat
Schreinerstr. 26
in der Nordstadt.

http://www.hayat-wtal.de/

Zeitungsartikel zu Polizeiübergriffen

Mehr Feind als Freund

Opfer können Übergriffe kaum nachweisen

VON ANDREAS SCHWARZKOPF

Der Todesfall Adem Özdamar wird Amnesty International (AI) viel Arbeit bereiten. Denn Medienberichte über mögliche Opfer von Polizeigewalt ermunterten viele dazu, sich an die Menschenrechtsorganisation zu wenden, sagt AI-Mitarbeiter Wolfgang Grenz. Sie erzählen dann von ihren Erfahrungen mit Beamten, die mehr Feind sind als Freund und Helfer.

Fast alle diese Fälle ähneln sich. Zunächst ist es schwierig für die Betroffenen zu beweisen, dass Beamte sie misshandelt haben. Meist geschieht dies auf einem Polizeirevier. Die Zeugen sind entweder Uniformierte, die häufig nicht aussagen. Oder es handelt sich, auf der anderen Seite, um Freunde oder Bekannte des Opfers, deren Aussagen nicht zählen, weil sie befangen sind. Die früher sehr aktive Bundesarbeitsgemeinschaft kritischer Polizisten (BkP) berichtete, häufig würden zudem Beweismittel verschwinden.

Will ein Opfer gegen das erlitteten Unrecht vorgehen, wird ihm nach Angaben von AI und BkP das Leben schwer gemacht. Polizisten sagen häufig aus falsch verstandenem Korpsgeist nicht aus, erinnern sich nicht oder haben sich “gerade den Schuh gebunden”.

Üblich ist nach Ansicht von AI zudem, dass Polizisten eine Gegenanzeige erstatten. Die Staatsanwaltschaft behandelt häufig diese Anzeige aus prozessökonomischen Gründen zuerst. “Sie hofft, den Fall schneller klären zu können”, sagt AI-Mitarbeiter Grenz.

Das Resultat sei häufig ein anderes. Bis die Gegenanzeige abgearbeitet ist, vergehen bis zu zwei Jahre. Erst dann wird die Anzeige des Opfers bearbeitet. Meist kann sich dann niemand mehr an die Tat erinnern. Und schließlich wird das Verfahren eingestellt.

Darüberhinaus monierten die kritischen Polizisten jahrzehntelang die Bereitschaft von Verantwortlichen bei Polizei, am Rande der Legalität zu arbeiten. Paradebeispiel ist der so genannte Kessel. Diese Methode wurde vor allem in den 80er Jahren bei zahlreichen Demonstrationen angewandt: Polizisten setzten eine Gruppe von Protestlern fest und umzingelten sie. Diese Praxis wurde immer wieder von verschiedenen Gerichten als rechtswidrig geächtet. Dennoch griffen Polizei-Vorgesetzte immer wieder zu diesem Mittel.

Damit nicht genug. Einige hohe Beamte seien von ihrem Dienstherren belobigt worden, obwohl sie rechtswidrig gehandelt hätten, stellten die kritischen Polizisten fest. Aus diesem Grund haben sie von Politikern immer wieder gefordert, sich nicht zu Brandstiftern zu machen.

Nach Ansicht von Bürgerrechtlern sind Kampagnen wie die des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch nicht förderlich, die der CDU-Politiker anzettelte, nachdem Jugendliche einen Rentner in der Münchner U-Bahn verprügelt hatten. Derartige Kampagnen beförderten eine ausländerfeindliche Stimmung. Einige Polizisten verstünden dies dann so, dass sie Ausländer härter anpacken müssten.

Damit Fälle von Polizeigewalt aufgeklärt werden können, müssen die Bundesländer nach Ansicht von AI und Polizei-Kritikern unabhängige Kontrollgremien einrichten. Dies wird auch von den Vereinten Nationen und dem Europarat gefordert. Dieses Organ müsste beispielsweise ein Recht auf Auskunft und Einsicht in alle Akten und Unterlagen aller Dienststellen der Polizei haben. Zudem müssten die Beamten des unabhängigen Gremiums jederzeit unangemeldet Polizeireviere besuchen können.

Tod auf der Wache: Verhängnisvolle Nacht
Sprachrohr im Ausland: Türkische Medien sprechen Verdacht aus

Quelle: Frankfurter Rundschau / 12.03.08

nächstes Treffen

Das nächste “Bürger_innen beobachten die Polizei”-Treffen findet am Donnerstag, 28. Februar um 19 Uhr statt.

Und zwar im Informationsbüro Nicaragua
Deweerthstr. 8
am Platz der Republik

Update

- Seite aktualisiert (Presseartikel)
- Neue Rubrik “Sonstige Reaktionen” unter Ausstellung
Dort sind offene Briefe und Leserbriefe dokumentiert.

Pressemitteilung - Tacheles e.V.

Pressemitteilung

Tacheles e.V.
fordert den Rücktritt von OB Peter Jung vom Posten des Vorsitzenden im Bündnis für Demokratie und Toleranz

Oberbürgermeister Peter Jung hat mit der Schließung der Info-Ausstellung „Vom Polizeigriff zum Übergriff“, mit dem Verbot einer Veranstaltung und einer erweiterten Ratsfraktionssitzung der Partei DIE LINKE, sowie der Androhung personeller Konsequenzen gegenüber dem Verantwortlichen im Haus der Jugend, der Ausstellung selbst zu unerwarteter Öffentlichkeit verholfen. Das Phantom dieser Ausstellung zog durch die Verbote bundesweite Kreise, erzeugte laute Kritik und Empörung, bis in den Berliner Bundestag.

Trotz all dieser Kritik ist von Herrn Jung nichts Einsichtiges oder Einlenkendes zu vernehmen.

Der Oberbürgermeister, in seiner Funktion als Vorsitzender des Wuppertaler Bündnisses für Demokratie und Toleranz, verweigert sich dem im Aktionsprogramm für Demokratie und Toleranz angepriesenen „friedlichen Wettstreit der Argumente“.
Er setzt an deren Stelle die Mittel der Zensur und der politischen Willkür!

Erschwerend kommt hinzu, dass Herr Jung die Ausstellung noch nicht einmal selbst angesehen hat, sondern seine Verbote lediglich aufgrund der Vermutung getroffen hat, dass „Vom Polizeigriff zum Übergriff“ das Ansehen und die Arbeit der Wuppertaler Polizei verunglimpfe und diffamiere.
Herr Jung selbst hat mit seiner „preußischen Amtsauffassung“ das demokratische Ansehen unserer Stadt diffamiert.

„Das Verhalten von Herrn Jung ist von Intoleranz gegenüber Andersdenkenden geprägt. Vom demokratischen Dialog und von Werten einer freiheitlichen Gesellschaft ist dabei nichts zu spüren!“ bringt Harald Thomé, Vorsitzender des Erwerbslosen- und Sozialvereins Tacheles, das Willkürgebaren des Oberbürgermeisters auf den Punkt.
„Aufgrund des offenkundigen Mangels bürgermeisterlicher Einsicht und Weitsicht fordern wir Herrn Jung auf, den Vorsitz im Wuppertaler Bündnis für Demokratie und Toleranz niederzulegen. Es ist an der Zeit, diesen verantwortungsvollen Posten mit einer Person zu besetzen, die sich über die Tragweite ihres Handelns bewusst ist und dies auch in der Öffentlichkeit repräsentieren kann. Bei Herrn Jung fehlt es an dem dafür notwendigen Demokratieverständnis“, so Thomé weiter.

Tacheles, 29.1.2008

Heute letzte Gelegenheit…

Heute gibt es die letzte Gelegenheit sich die Ausstellung “Vom Polizeigriff zum Übergriff” im Cafe Tacheles im Luisenviertel anzuschauen!

Außerdem wurden die Presseartikel aktualisiert. Weitere folgen in den nächsten Tagen.

ITALIEN Titelseite

Einladung

Einladung zum Strategietreffen „Bürger_innen beobachten die Polizei“
am Dienstag, 29.Januar 08 um 19:30 Uhr im Nachbarschaftsheim Alte Feuerwache, Gathe 6, Wuppertal

Das Verbot der Ausstellung „Vom Polizeigriff zum Übergriff“ hat in Wuppertal und bundesweit für viel Wirbel gesorgt und dazu beigetragen, dass das Problem von Übergriffen durch Polizist_innen zumindest mal wieder erwähnt wurde. Gleichzeitig wurde aber auch das Ausmaß an Tabuisierung und Unlust deutlich, ein existierendes gesellschaftliches Problem beim Namen zu nennen, so dass städtische Einrichtungen sogar Repressalien befürchten, wenn sie öffentlich eine andere Einschätzung zu dem Problem bekunden als die Stadtspitze.
Wir halten es umso mehr für wichtig, dass es ein breites gesellschaftliches Netzwerk gibt, dass sich weiterhin um das Thema kümmert und überlegt, wie eine breite öffentliche Thematisierung auch gegen den Unwillen der Stadtoberen stattfinden kann.
Darum soll es bei dem Treffen am 29.01. gehen, sowie um die Frage, wie wir in Zukunft Gewaltopfer unterstützen können.

Wir laden alle Interessierten herzlich ein, mit zu diskutieren!

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„Bürger_innen beobachten die Polizei“ will folgendes erreichen:
- dass Übergriffe durch Polizist_innen systematisch dokumentiert werden;
- dass die unterschiedlichen Gruppen von Betroffenen (Punks, Drogenkranke, junge Migrant_innen, links-alternative Leute….) erst mal voneinander erfahren und sich über ihre Erlebnisse austauschen können, damit nicht alle das Gefühl haben, dass so etwas „immer nur ihnen passiert“;
- dass es eine Struktur gibt, an die Betroffene sich wenden können, und die sie politisch wie auch juristisch unterstützen kann;
- dass die Wuppertaler Öffentlichkeit die Gewalt als ein strukturelles Problem wahrnimmt und dafür sensibilisiert wird, dass Polizeibrutalität - unabhängig davon, was dem Betroffenen zu Recht oder zu Unrecht vorgeworfen wird – ein Verbrechen ist;
- letzten Endes durch Herstellung einer Öffentlichkeit und Gegenwehr soviel Druck aufbauen, dass die Polizeiübergriffe aufhören.

Pressemitteilung - GRÜNE Wuppertal

GRÜNE Anfrage zum Ausstellungsverbot

Nr. 05 - 23.01.2008

Zur nächsten Sitzung des Ausschusses Zentrale Dienste am 14.02.2008 erkundigen sich die GRÜNEN bei der Verwaltung, welche Lehren aus dem Verbot der Ausstellung „Vom Polizeigriff zum Übergriff“ gezogen werden.

Marc Schulz, Mitglied der GRÜNEN im Ausschuss Zentrale Dienste:

„Wir fragen nach, ob es das erste Mal war, dass eine Ausstellung in städtischen Räumen verboten wurde, oder ob schon früher zu solch äußerst drastischen Maßnahmen gegriffen wurde. Sehr wichtig sind uns auch die MitarbeiterInnen der Verwaltung. Der Oberbürgermeister hat mehrfach in den Medien personelle Konsequenzen angedroht. Wir sorgen uns darum, ob die MitarbeiterInnen fair behandelt werden. Deshalb fragen wir unter anderem danach, ob es für MitarbeiterInnen eine Entscheidungshilfe gibt, was und was nicht in städtischen Räumen ausgestellt werden darf.“

Die Anfrage im Wortlaut finden Sie unter “Aktuelles”

——- Anfrage ——-

Konsequenzen nach Ausstellungsverbot?
23.01.2008
Anfrage zur Sitzung des Ausschusses Zentrale Dienste am 14.02.2008

Sehr geehrter Herr Dr. Pongé,

wie aus den Medien zu erfahren war, hat Oberbürgermeister Peter Jung am Mittwoch, den 09.01.2008 ein Verbot ausgesprochen, die am Tag zuvor eröffnete Ausstellung „Vom Polizeigriff zum Übergriff“ im Haus der Jugend Barmen weiter zu zeigen. Ursprünglichen Planungen zufolge sollte die Ausstellung vom 08. bis 26.01. öffentlich zugänglich sein.

Inhalt dieser Ausstellung sind Fälle von Polizeigewalt gegenüber Bürgerinnen und Bürgern.

Den Medien war ebenfalls mehrfach zu entnehmen, dass Oberbürgermeister Jung personelle Konsequenzen in Erwägung zieht.

Wir bitten die Verwaltung zu diesem Vorgang um die Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Gab es in der Vergangenheit schon vergleichbare Fälle, in denen Veranstaltungen in städtischen Räumen verboten wurden?

2. Nach Informationen von Radio Wuppertal äußerte der zuständige Beigeordnete Dr. Stefan Kühn, die städtischen Mitarbeiter, „die die Ausstellung ins Haus der Jugend holten, hätten die politische Dimension erkennen und ihre Vorgesetzten zu Rate ziehen müssen.“ (homepage radio wuppertal vom 15.01.2008)
Welche Erfahrungen aus der Vergangenheit wären für die Erkenntnis geeignet gewesen, dass sich MitarbeiterInnen im Vorfeld der Entscheidung an die Vorgesetzten hätten wenden sollen?

3. Gibt es für MitarbeiterInnen in derartigen Situationen eine Entscheidungshilfe, was und was nicht in städtischen Räumen ausgestellt werden darf?

4. Welche Handreichungen werden zukünftig den MitarbeiterInnen der Verwaltung angeboten, damit sie klar unterscheiden können, ob Ausstellungen ohne Gefahr für ihre berufliche Zukunft akzeptiert werden oder ob sie Rücksprache mit ihren Vorgesetzten halten müssen?

Wir bitten darum, die Anfrage und die Antwort der Verwaltung auch dem Jugendhilfeausschuss vorzulegen.

Mit freundlichem Gruß

Marc Schulz
Stadtverordneter

Radiobeitrag online …

Podcast - WDR3 TagesZeichen - herunterladen

Sendung vom 21.01.2008 Themen: Keine schlechten Noten für die Polizei - In Wuppertal darf um mögliches Fehlverhalten von Ordnungshütern nicht einmal gestritten werden, von Albrecht Kieser; Schlechte Noten für Verlierer - Warum schulische Leistung in Zahlen ausgedrückt werden muss, von Jan Pehrke; Ganz schlechte Noten für Möchtegern-Eltern - Eine Betrachtung zum “Elternführerschein”, von Burkhard Müller-Ullrich © WDR 2008

Ausserdem gibt es auf der Seite der Online-Zeitung “Neue Rheinische Zeitung” ( Link ) zwei Artikel zur Ausstellung “Vom Polizeigriff zum Übergriff” und einen noch nicht veröffentlichten Filmclip aus dem Jahre 1989 zum Thema Polizeigewalt in Köln ( Link ).